Der Reconquista Internet

#Standardcheck

Immer mehr Kommentare im Netz sind verletzend, rassistisch oder strafrechtlich relevant. Die Gemeinschaftsstandards der großen sozialen Netze sollen die Zahl solcher Inhalte reduzieren.
Doch funktioniert das?

MEHR ERFAHREN
DIE GRUNDLAGEN

»Wir wissen, wie wichtig es ist, dass Facebook ein Ort ist und bleibt, an dem die Menschen sicher und unbesorgt miteinander kommunizieren können. […] Aus diesem Grund haben wir Gemeinschaftsstandards formuliert, die festlegen, was auf Facebook gestattet ist und was nicht

Quelle: Facebook Gemeinschaftsstandards (Stand: 24.03.2019)

DAS VORGEHEN

Wir haben den Test gemacht:

Im Februar 2019 haben wir etliche Posts – insgesamt 153 Text-, Bild- und Videobeiträge – an Facebook gemeldet. Bei jedem einzelnen sind wir davon überzeugt, dass er Hassrede (1) darstellt und nicht auf Facebook sein sollte: das Spektrum der Posts geht von rassistisch bis gewaltverherrlichendFacebook hat auf unsere Meldungen sehr schnell reagiert: zu fast allen haben wir innerhalb von 24 Stunden eine Rückmeldung erhalten, meist mit dem Ergebnis von Facebooks Überprüfung und einer standardisierten Erklärung

Wir haben die Meldungen verteilt über mehrere Tage, zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten, eingereicht, und gehen deshalb davon aus, dass sie von zahlreichen verschiedenen Menschen aus Facebooks rund 7.500 Personen starken Review-Team (Stand: 24.04.2018; Quelle) überprüft wurden. 

(1) Hatespeech (dt. Hassrede) bezeichnet (oft strafrechtlich relevante) Äußerungen, die beleidigend, herabwürdigend oder diskriminierend  an Personen oder Gruppen aufgrund von deren Eigenschaften oder Meinungen gerichtet sind. Das Ziel dahinter ist, dieser/n Person/en zu schaden, sie einzuschüchtern, zu provozieren, zu diffamieren, oder generell gegen sie aufzuhetzen.

DIE MELDUNGEN

Eine Auswahl der gemeldeten Beiträge

Bei keinem der dargestellten Beiträge wurde von Facebook ein Verstoß gegen die Gemeinschaftsstandards festgestellt.

Alle von uns gemeldeten und von Facebook nicht gelöschten Posts (Stand: 24.03.2019) findest Du hier. Warnung: teilweise können die Inhalte verstörend wirken!

DAS ERGEBNIS

Von den 153 zur Meldung eingereichten Beiträgen wurden 58% nicht gelöscht.

Wir haben festgestellt, dass nur gut ein Drittel (37%) der 153 gemeldeten Beiträge von Facebook aufgrund der Gemeinschaftsstandards gelöscht wurde. Weitere 5% wurden von den Nutzern selbst oder aus anderen Gründen gelöscht.

Eine Frage drängt sich unausweichlich auf:

Was sind das für Standards, die Facebook seiner Gemeinschaft gibt?

Das haben wir auch Facebook gefragt: auf einem Plakat an der Hamburger U-Bahn-Haltestelle “Gänsemarkt” in der Nähe der Facebook-Zentrale (1). Es sind Facebooks Regeln, die dafür sorgen, dass Nutzer sich hemmungslos rassistisch und fremdenfeindlich (2) äußern können. Es sind Facebooks Regeln, die sprachliche Gewaltexzesse und Tötungsphantasien (3) als zulässige und potentiell wertvolle Gesprächsbeiträge sehen. Es sind Facebooks Regeln, die homophobe Äußerungen (4) zulassen. Diese Beiträge kommen übrigens nicht immer von rechts, sondern manchmal auch von links (5).

(1) Fotos von den Plakaten können aus dem Pressebereich heruntergeladen werden. (2) vgl. z.B. #13, 15, 25 𐄁 (3) vgl. z.B. #14, 37, 41 𐄁 (4) vgl. #27 𐄁 (5) vgl. #16 jeweils hier

0

eingereicht

0

nicht gelöscht

DIE MÖGLICHKEITEN

Gemeinschaftsstandards und Regeln sind gut und wichtig, greifen aber oft nicht und entfalten für die Ersteller der Beiträge keine juristischen Konsequenzen. Nach einer Meldung über unsere Meldeplattform für Hatespeech versuchen wir die Löschung der Beiträge zu erreichen und zeigen die Ersteller gegebenenfalls an. Jede Meldung eines verurteilenswerten Beitrags hilft im Zeichen von Menschlichkeit und Demokratie.

Zur Meldeplattform

Der Hassreport 2

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